Helliconia 01 - Frühling

außerdem: Walter Brumm
Rezension bezieht sich auf: Frühling. Helliconia 01. (Broschiert)
Helliconia ist ein Mammutwerk in der SF-Literatur. Mit einem Umfang von ca. 1780 Taschenbuchseiten beschreibt Aldiss detailliert und lebendig eine 1000 Lichtjahre entfernte Welt namens Helliconia. Auf Helliconia dauert ein großes Jahr 1825 Helliconiajahre, entspricht 2592 Erdenjahren. Helliconia ist ein erdenähnlicher Planet in einem Doppelsternsystem. Davon dauert der für die Menschen auf Helliconia lebensfeindlichste Jahreszeit, der Winter, ca. 15 Erdjahrhunderte an. Während dieser Zeit brennt das Lebenslicht der Helliconiaer auf Sparflamme.

Aldiss nutzt den Jahrtausende dauernden, zeitlichen Rahmen, und bringt uns Helliconia so nah, als wären wir selbst auf dem Planeten. Aldiss läßt in seiner SF-Saga nichts aus, Politik, geografische, soziale, biologische und kulturelle Begebenheiten werden bis ins kleinste Detail glaubwürdig dem Leser näher gebracht. Aldiss hat im Anhang des Romans mehrere detaillierte Karten und Informationsmaterial zusammengestellt, so dass die komplexe Geschichte "wissenschaftlich" untermauert wird.

Aldiss geht es aber nicht alleine darum, eine Geschichte auf einem entfernten Planeten isoliert von uns zu schreiben, sondern ihm ging es auch um den Bezug zur Menschheit auf der Erde.

So nutzt Aldiss die Beobachtungsstation Avernus als "Bindeglied" zwischen Helliconia und Erde. Avernus wurde als Beobachtungsstation von der Erde entsandt, um Helliconia zu erforschen. Die medialen Informationen (Bild und Ton) werden zur Erde gesendet, wo sie nicht nur weiterverarbeitet werden, sondern den Menschen in Kinosälen zugänglich gemacht werden.

Die Menschen auf der Erde nehmen somit teil an dem entfernten Verwandten.

Aldiss nutzt diese Basis geschickt, um uns einen Spiegel vorzuhalten, ob der Gefahren, für die wir Menschen auf der Erde selbst verantwortlich sind (Drohung eines Atomkriegs, Klimakatastrophen etc.). Die Menschen auf Helliconia dagegen, haben gar keine Chance über einen gewissen Entwicklungslevel zu kommen, der nahende Winter macht alle Errungenschaften der Menschen auf Helliconia wieder zu nichte.

Sprich, während die Menschheit die Chance auf ihre Entwicklung zum wirklich verantwortungsvollen Wesen aufgrund ihrer Unfähigkeit nicht nutzen kann, stellt sich für die Helliconiaer diese Frage gar nicht erst, da die Natur den Helliconiaer keine Chance gibt.

Aldiss ist unter den SF-Schriftstellern einer der sprachlich gewandtesten Schriftstellern, obwohl er die Brillianz eines J.G. Ballard nicht ganz erreicht.

Ihm gelingt es mühelos eine fremde Welt fassbar vor dem inneren Auge werden zu lassen.

Es bleibt bei einem so seitenstarken Werk nicht aus, das manche Episode zu lang, oder manch dramaturgischer Kniff zu künstlich, geriet.

Auch irritierte mich als Leser zu Beginn des öfteren eine gewisse emotionale Distanz, die Aldiss den Figuren zu Teil werden ließ.

Nach und nach wurde mir aber klar dass das im Sinne des Gesamtwerkes so sein muss.

Von den drei Bänden - Frühling, Sommer und Winter, gefiel mir Winter am besten, gefolgt von Frühling und Sommer.

Alles in allem, vor allem wegen dem sehr starken letzten Teil, Winter (hier ist seine Verneigung zu seinem schriftstellerischen Vorbild Olaf Stapledon am deutlichsten), gebe ich Helliconia knapp 5 Sterne.

Note: 1-

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