Meine geniale Freundin - Band 1 der Neapolitanischen Saga (Kindheit und Jugend)

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.
Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte.
Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen.
Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden?

Elena Ferrante hat ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft geschrieben, ein von hinreißenden Figuren bevölkertes Sittengemälde und ein zupackend aufrichtiges Epos – über die rettende und zerstörerische, die weltverändernde Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes langes Leben währt.


Erschienen: 11.09.2016 Belletristik Gegenwartsliteratur
Dieser Titel ist Teil einer Serie: Neapolitanische Saga

Kommentare

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Hasiputz vor 6 Monaten

Fad fand ich es überhaupt nicht. Das Neapel der 50er Jahre wird als Hintergrund der Freundschaft zweier Mädchen so bildhaft und detailliert beschrieben, dass ich es richtig vor mir sehen konnte. Mir hat es sehr gut gefallen und ich werde den zweiten Band sicherlich auch lesen.

dracoma vor 6 Monaten

Hier geht es um die Freundschaft zweier Mädchen, ihre Behauptungsversuche, das laute und lärmige Leben in einem ärmlichen Viertel Neapels, um Schulbesuch und Aufstiegswillen, um erste Annäherungen an das andere Geschlecht, Familienstreit, Gewalt, Übergriffe - von allem ein bisschen, garniert mit tausend Details. Durch diesen Schinken liest man sich mühelos hindurch; und wenn man bei den unzähligen Personen gelegentlich die Orientierung verliert, hilft das vorangestellte Personenverzeichnis. Zumindest kurzfristig. Am Schluss fragt man sich aber, woher dieser unglaubliche Hype um das Buch kommt. Man traut sich kaum seine Meinung zu sagen: nett, aber fad.